Die Schalker Fan-Initiative hatte vor der Partie gegen Hannover 96 zur Jubiläumsfeier eingeladen. Neben S04-Präsident Josef Schnusenberg, seinem Vorgänger Gerhard Rehberg sowie Ex-Trainer Peter Neururer und WDR-Kommentator Manfred Breuckmann war auch eine Delegation von GAZPROM Germania in der "Flora" in Gelsenkirchen vertreten. Wir sprachen aus diesem Anlass mit Susanne Franke, seit April 2006 Vorsitzende der Schalker Fan-Initiative.
Seit 15 Jahren gibt es die Schalker Fan-Initiative, sind Sie stolz auf den heutigen Tag?
Franke: Richtig stolz. Man hat das bei den Rednern gehört, zum Beispiel bei Gerhard Rehberg. Als er uns zum ersten Mal mit einem Banner im Parkstadion gesehen hat, dachte er, was wollen die eigentlich und was machen die da. Und wenn man jetzt sieht, was für tolle Gäste wir zum 15-Jährigen hatten - Josef Schnusenberg, Gerhard Rehberg, Peter Neururer, Manfred Breuckmann und den Kabarettisten Bernd Matzkowski -, dann sieht man, dass wir mittendrin sind in den Schalker Institutionen und der Stadt. Und darauf kann man richtig stolz sein.
Wenn man auf die 15 Jahre zurückblickt, was waren die Höhepunkte?
Franke: Das ist schwer zu sagen weil die Arbeit sehr unterschiedlich war. Wir mussten zu Beginn erst einmal die so genannte Awareness, das Bewusstsein, schaffen. Wir mussten Grundlegendes erreichen, haben sehr viele Infos verteilt, Banner durch die Gegend getragen, eben an der Basis gearbeitet. Die Tätigkeit hat sich in den vergangenen Jahren aber deutlich gewandelt, seit das Bewusstsein da ist. Die Projekte werden intensiver und länger wie zum Beispiel mit dem Jugend-Theaterprojekt “RepuBlick auf Schalke“. Die Arbeitsphasen lassen sich nicht vergleichen.
Sie haben in ihrer Rede gesagt, die Fan-Initiative sei erwachsen geworden. Wie erwachsen soll sie denn noch werden?
Franke: Erwachsener will ich nicht werden, denn mir ist es wichtig, dass der harte Kern der Fan-Initiative auch weiter Auswärtsfahrten gemeinsam unternimmt. Die Themen sind ernst genug, daher müssen wir nicht erwachsener werden. Denn schließlich wollen wir, neben unserer Arbeit, auch weiterhin ein paar Partys feiern.
Welche Themen stehen in der nächsten Zeit auf dem Programm?
Franke: Wir haben einiges auf unserem Plan, Konkretes ist aber noch nicht dabei. Zum einen gibt es ja seit einiger Zeit einen engen Kontakt zwischen Schalke und Zenit St. Petersburg. Dort gibt es natürlich auch eine Fanszene, aber auch viele gewaltbereite Anhänger, wie zum Beispiel von der Newski-Front. Doch wir wollen friedliche Fans suchen und wollen mit ihnen zusammenarbeiten. Erste Kontakte bestehen bereits, da müssen wir weitersehen.
Das zweite Thema sind jugendliche Fußballfans in Gelsenkirchen - vor allem mit dem oft beschriebenen Migrationshintergrund. Es gibt viele Jungs, die durch die Stadt mit einem Besiktas-Trikot laufen. Warum machen die das? Ich weiß aber noch nicht, wie wir das anfassen können.
Noch komplexer und weitergehender wäre das Thema Migranten-Fußballvereine, die möglicherweise auch noch politisch instrumentalisiert werden. Die Themen sind da, wir müssen einfach sehen, wie wir was und wann anpacken können.
Auch nach 15 Jahren ist "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" im Fußball noch immer da?
Franke: Das wird es auch immer geben. Wir arbeiten mit Menschen und unter Menschen gibt es immer welche mit schlechtem Charakter. Ich muss keine Themen suchen, sie fallen mir vor die Füße, es war schon da, aber wir wollen auch weiter etwas dagegen unternehmen.
15 Jahre sind nicht genug, es müssen noch 50 weitere Jahre kommen?
Franke: Ja, absolut, das sehe ich genau so.