Annähernd 30 Jahre pflegen die Fans vom FC Schalke 04 und dem 1. FC Nürnberg bereits ihre Freundschaft. In guten wie in schlechten Tagen feiern die beiden Gruppen miteinander und lassen statt Beschimpfungen und Krawallen Choreografien in den beiden Stadien für sich sprechen. Dazu gehört natürlich auch das gemeinsame Anfeuern der beiden Mannschaften.
Die Entstehung dieser Fanfreundschaft, die wahrscheinlich einmalig in der Fußball-Welt ist, liegt ein wenig im Dunkeln. Auf der Schalker Homepage gibt es verschiedene "Geschichten". Einem Gerücht zufolge haben Nürnberger und Schalker gemeinsam einige Bayern-Hooligans durch einen Bahnhof gejagt. Aus der gemeinsamen Ablehnung der Münchner sei die Freundschaft hervor gegangen.
Eine andere Episode erzählt, wie Nürnberger Hooligans nach einem Spiel im Frankenstadion Geld für einige Knappen gesammelt haben, da diesen das Geld für die Heimfahrt fehlte. In einer dritten Variante heißt es, dass in einer Reportage des Magazins „Stern“ Fotos von Schalke-Fans abgedruckt wurden, auf deren Kutten auch aufgenähte Abzeichen des 1.FC Nürnberg zu erkennen waren. Der Artikel sei durch die Fanszene gekreist und hätte die Freundschaft begründet.
Letztlich bleibt die "Urzeit" der Fanfreundschaft wohl komplett im Dunkeln und kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Klar ist nur, dass Mitglieder der „Gelsen-Szene“ und der „Red Devils“ maßgeblich beteiligt waren. Die Annäherung spricht sich herum, Kontakte zwischen Fan-Clubs werden ausgeweitet. Erstmals bewährt sich die Fan-Freundschaft 1981, als die Knappen ausgerechnet nach einem 1:1 gegen Nürnberg aus der Bundesliga absteigen müssen.
Es folgen Einladungen zu den berühmten Seerosen-Turnieren und zu gemeinsamen Auswärtsfahrten. So feiern in der Saison 1990/91 Schalker und Nürnberger Fans gemeinsam im Wattenscheider Lohrheide-Stadion die Rettung des Clubs und den Verbleib in der Ersten Bundesliga. Als Zugabe gibt es am nächsten Tag nach dem Spiel gegen Darmstadt 98 die Aufstiegsfete auf Schalke.
Die Freundschaft lebt durch die Höhen und Tiefen beider Clubs bis heute weiter – das ist in Nürnberg und Gelsenkirchen deutlich sichtbar, wenn die beiden Vereine gegeneinander spielen. Die zu jedem Aufeinandertreffen eingesetzten Sonderzüge werden von den Fans der anderen Mannschaft schon am Bahnhof begeistert empfangen, in den Stadien werden von den Fanclub-Verbänden Partys organisiert und die Ultras führen aufwändige Choreografien durch, in denen das „Feuer der Freundschaft“ beschworen wird.
Der Kontakt zwischen den Fangruppen riss nie ab. Nach wie vor sind bei jedem Gastspiel der "Clubberer" im Westen zahlreiche Schalker vor Ort, und bei Schalker Spielen im Süden Deutschlands revanchieren sich Nürnberger Fans durch eine Unterstützung des S04. Und so wird noch lange der Schlachtruf „Schalke und der FCN“ durch die Stadien in Deutschland hallen... .
Es sei wirklich einmalig, das die beiden Fanlager so lange freundschaftlich miteinander umgehen, freut sich Rolf Rojek, der Chef des Schalker Fan-Club Verbandes. "Zum Teil war es ja eine richtig innige Liebe, die jetzt ein wenig in Routine übergegangen ist", so Rojek. Doch man arbeite daran, diese Situation wieder zu verbessern.
Übrigens: Der Fan-Club mit der Nummer "1000" im Schalker Fan-Club Verband ist der FCN-Fanverband, die "1. FC Nürnberg Fanbetreuung". Ein weiterer Beleg dafür, dass die Fanfreundschaft zwischen dem S04 und dem FCN nicht nur lebt – sondern vor allem auch gelebt wird.